Uns geht die Puste aus…

Kommentar von Carola Jaster, MTLA & Gesundheitsökonomin (DIW-MTA)

Uns geht die Puste aus…

Seit Wochen weisen die Labore auf ihre Überlastung hin. Schaut man sich die im Internet zugänglichen Statistiken über die Testzahlen und Testkapazitäten an, ist ein kontinuierlicher Testanstieg seit der 23. KW zu erkennen.  Seit der 41. KW überschreiten die Testanforderungen in Berlin die vorhandenen Kapazitäten um ein Vielfaches. Nun könnte man annehmen, dass die Arbeit in Laborkonzernen möglich macht, Teste in weniger belastete Bundesländer zu verteilen. Nur handelt es sich hierbei nicht um rein Berliner Phänomen. Auch die Labore in anderen Bundesländern ächzen unter der Dauerbelastung. Kein Mensch, keine Maschine, keine Organisation ist in der Lage dauerhaft mit 100% und mehr zu arbeiten. Wir Labore fühlen uns als müssten wir einen Marathon in Sprintzeit laufen.

“Wir Labore fühlen uns als müssten wir einen Marathon in Sprintzeit laufen.”

In der KW 45 wurden, ähnlich wie in der Woche zuvor,  deutschlandweit 1.565.418 PCR-Tests auf SARS-Cov2 durchgeführt. 60.113 PCR- Test konnten nicht durchgeführt werden, weil die Kapazitäten nicht reichten (Quelle: COVID-19-Lagebericht des RKI). Diese 60.113 PCR-Tests summieren sich nun zu den PCR-Anforderungen, welche von uns in der KW 46 durchgeführt werden müssen. Für die betreffenden Kolleg*innen ist das kein schönes Gefühl. Auf der einen Seite möchten sie alle Befunde zeitnah erstellen und den Betroffenen so rasch wie möglich helfen, was unweigerlich zu einem inneren Druck führt und damit zu massiver Belastung, und auf der anderen Seite sehen sie einen Berg, den sie bei steigender Probenzahl vor sich her schieben und nicht wissen, wie sie dessen Herr werden können.

Seit Beginn der Pandemie haben die Labore ihren Betrag zur Eindämmung der Pandemie geleistet und kontinuierlich Testkapazitäten aufgebaut. Nur ist dieser Prozess endlich, da auch die Ressourcen, welche für die Testungen benötigt werden, knapp sind. Der Plan, unsere Reagenz- und Verbrauchsmateriallager in den Sommermonaten zu füllen, um für die Herbst-und Wintermonate und die mit der Erkältungszeit einhergehenden Testmengen gewappnet zu sein, konnte auf Grund des Anstiegs der Testungen nicht aufgehen. Wir leisten weiterhin engagiert unseren Beitrag. Nur um dies weiterhin tun zu können, brauchen wir die Unterstützung der Politik. Es ist dringend an der Zeit, die Testkapazitäten für medizinisch notwendige Testungen (symptomatische Patienten, Kontaktnachverfolgungen) und zum Schutz vulnerabler Gruppen einzusetzen. Erste richtige Schritte dahingehend gibt es bereits. Nun werden die nächsten Wochen zeigen, ob die neue Teststrategie der Bundesregierung und des Robert – Koch – Instituts aufgehen wird.

Seit Beginn der Pandemie haben die Labore ihren Betrag zur Eindämmung der Pandemie geleistet und kontinuierlich Testkapazitäten aufgebaut. Nur ist dieser Prozess endlich, da auch die Ressourcen, welche für die Testungen benötigt werden, knapp sind.

Pandemiebewältigung ist nicht allein Aufgabe des Gesundheitswesens. Für Pandemiebewältigung sind wir alle zuständig unabhängig von unseren beruflichen Wirkungsfeldern. Wir alle können uns verantwortungsbewusst verhalten und die AHA +A + L – Regeln (Abstand, Händehygiene, Alltagsmasken + App + Lüften)  einhalten und damit dem Virus die Plattform zur Entfaltung verkleinern. Jedoch beobachte ich immer wieder, wenn ich unterwegs bin, dass ein Teil unserer Gesellschaft dies scheinbar anders bewertet. Leider geht dies zu Lasten, der Gruppen, welche wir schützen wollen und zu Lasten der Beschäftigten in den Laboren.

Mein allerherzlichster Dank und allergrößter Respekt gilt allen Kolleg*innen, welche unermüdlich unter steigender Belastung ihren Beitrag leisten.

Pandemiebewältigung ist nicht allein Aufgabe des Gesundheitswesens. Für Pandemiebewältigung sind wir alle zuständig unabhängig von unseren beruflichen Wirkungsfeldern.

Carola Jaster

29 Jahre Berufserfahrung als MTLA, Gesundheitsbetriebswirtin (DIW-MTA), Prokuristin des Labor 28 und Abteilungsleitung des Basislabors, Aufsichtsrätin der Sonic Healthcare Seven (Firmierung)

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